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Die rheinischen Netzwerke hinter der Familie Dülcken

Hinter den weltberühmten Cembali und Orgeln der Familie Dülcken verbirgt sich ein faszinierendes Netzwerk rheinischer Eliten des 18. Jahrhunderts. Neue historische und genealogische Forschungen beleuchten, wie die Familien Dülcken und Knöpfel über die Geografie des Rheins und die Strukturen des protestantischen Glaubens miteinander verwoben waren. Eine Rekonstruktion einer strategischen Allianz zwischen Sankt Goar und Weisel zu Beginn des 18. Jahrhunderts – mit der einflussreichen Familie Lehr als entscheidendem Bindeglied.
Wer den Namen Dülcken hört, denkt sofort an den feinen Instrumentenbau in Antwerpen, Brüssel oder Amsterdam. Die Wurzeln dieser einflussreichen Dynastie liegen jedoch weiter landeinwärts, im deutschen Rheinland und in der Grafschaft Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Um zu verstehen, wie Johannes Daniël Dülcken (1706–1757), seine Söhne und seine Enkel zu angesehenen Instrumentenbauern heranwachsen konnten, müssen wir einen Blick auf das engmaschige Netzwerk werfen, das ihre Vorfahren zu Beginn des 18. Jahrhunderts an den Ufern des Rheins knüpften.

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Die Familie Lehr: Der gemeinsame Nenner

Die tiefere Erklärung für die Präsenz der Familie Dülcken im fernen, rechtsrheinischen Dorf Weisel liegt in der Heimat ihrer Vorfahren: Bad Berleburg. Lange Zeit galt die Heirat von Georg Ludwig Dülcken (dem Vater von Johannes Daniël) am 13. Oktober 1704 in Weisel mit der mysteriösen Johanna Margaretha als genealogisches Rätsel. Warum sollte ein Pfarrer aus Wingeshausen an den Rhein reisen, um zu heiraten?
Neuere Forschungen zeigen, dass die Verbindung primär nicht geografischer, sondern familiärer Natur war. Der Schlüssel liegt bei der einflussreichen Berleburger Familie
Lehr.

  • Der Vater von Georg Ludwig, Eberhard Dülcken, hatte 1664 Maria Magdalena Lehr geheiratet, die Tochter des Berleburger Altbürgermeisters Andreas Lehr.

  • Gleichzeitig war auch die Familie von Pfarrer Johann Jacob Schramm (dem angesehenen Seelsorger in Weisel) durch Heirat eng mit ebendiesem Geschlecht Lehr verbunden (Anna Catharina Lehr).

Obwohl der exakte Nachname der Braut Johanna Margaretha in den Archiven noch nicht unumstößlich bewiesen ist, steht fest: Es war die gemeinsame familiäre Bindung zum Hause Lehr, die die Dülckens und die Schramms in Weisel zusammenführte. Die Berleburger Netzwerke erwiesen sich auch am Rhein als unzertrennlich.


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Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland, Boppard - Heirat von Conrad Knöpfel und Regina Magdalena Dirx am 29. April 1695 (KB 149/1, S. 255)
Heirat von Conrad Knöpfel und Regina Magdalena Dirx am 29. April 1695 (KB 149/1, S. 255)

Den 7. April sind zum ersten mal proclamirt worden, Herr Jo- han Conrad Knöpfel, Proviant=Meister, Herrn Conrad Knöpfels, Metropolitani zu Melsungen, ehelicher Sohn; und J. Regina Magdalena, Herrn Dieterich Diepers, Rath= gängers eheleibliche Tochter. Den 29. April copulati.
Am 7. April sind zum ersten Mal ausgerufen [proklamiert] worden: Herr Johann Conrad Knöpfel, Proviantmeister, des Herrn Conrad Knöpfel, Metropolitan [Hauptpfarrer] zu Melsungen, ehelicher Sohn; und Jungfrau Regina Magdalena, des Herrn Dieterich Dieper, Ratsmitglieds [Ratsverwandten] eheliche Tochter. Am 29. April wurden sie getraut [copulati].

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Taufeintrag Susanna Maria Knöpfel - transcriptie Dr. Johannes Burkardt
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Den 11 t[en] [Novem]bris wurde Don[n]erstag Nachmittags zwisch[en] 12 u[nd] 1 Uhren
nach gehaltener
Beth=Stunde in öffentl[icher] Versam[m]lung getaufft Susanna Maria,
H[errn] Johann Conrad Knöpffels, Proviant-Com[m]issarii u[nd] Stiffts=
Kellners allhier Töchterlein. Gevattern waren Herr Oswald
Wollff, Nachgänger am hiesigen Hoch=Fürstl[ichen] Gesam[m]t-Rhein=
Zoll, u[nd] Fr[au] Maria Barbara, H[errn] Samuel Kellers, Stadt=
Lieutenants allhier ehel[iche] Hauß-Frau, wie auch H[errn] Pfarrers Geissel
Fr[au] Eheliebste von Wollroda
des H[errn] Vatters Schwester.*
* Die letzten 12 Wörter mit blasserer Tinte später nachgetragen.


Der Stiftskellner und die andere Rheinseite

Ab der Niederlassung in Weisel kreuzen sich die Wege der Dülckens nachweislich mit denen von Johann Conrad Knöpfel, einer absoluten Schlüsselfigur im gegenüberliegenden Sankt Goar. Knöpfel bekleidete dort eine einflussreiche Doppelrolle als Stiftskellner (finanzieller und geschäftlicher Verwalter der protestantischen Stiftskirche) und Proviant-Commissair der strategischen Festung Burg Rheinfels.
Obwohl der Rhein eine physische Barriere darstellte, liefen die administrativen und wirtschaftlichen Fäden des Dorfes Weisel direkt in die Stiftskasse von Knöpfel in Sankt Goar. Das Stift besaß nämlich die alten
Zehntrechte (Zehntabgaben) in Weisel. Die Bauern mussten ein Zehntel ihrer Ernte abtreten – ein logistischer Prozess, der unter Knöpfels direkter Aufsicht stand. Zudem war die Pfarrei Weisel für den Unterhalt der Gebäude und die Pfarrerbesoldung direkt von der Verwaltung dieses Stiftskellners abhängig.

Standesgemäße Ehe und die Verbindung Knöpfel

Im frühen 18. Jahrhundert war die Auswahl innerhalb der protestantischen (evangelisch-reformierten) Elite im Rheinland klein. Standesgenossen suchten einander, um Kapital, Einfluss und gesellschaftlichen Status im eigenen Kreis zu halten.
Die intensive amtliche und wirtschaftliche Beziehung zwischen dem Stiftskellner in Sankt Goar und der Kirchengemeinde in Weisel legte den Grundstein für die nächste Generation. Es war Johannes Daniël Dülcken selbst, der dieses Netzwerk nutzte, indem er
Susanna Maria Knöpfel, die Tochter des Stiftskellners, heiratete. Diese strategische Verbindung verknüpfte den Berleburger Intellekt mit rheinischem Kapital und administrativem Ansehen.

Fazit: Ein Fundament für Generationen

Was auf den ersten Blick wie eine Reihe zufälliger Begegnungen am Rhein erscheint, erweist sich bei näherer Betrachtung als ein tief verwurzeltes, strategisches Geflecht, das bereits Generationen zuvor in Bad Berleburg seinen Anfang nahm. Die Familie Lehr bildete den anfänglichen sozialen Zusammenhalt, woraufhin die administrativen Strukturen des Stifts in Sankt Goar die Allianz besiegelten.
Dieses eiserne Netzwerk aus Kapital, Intellekt und Einfluss legte das solide gesellschaftliche Fundament für die späteren internationalen Karrieren der Söhne und Enkel der Familie Dülcken inmitten des florierenden europäischen Instrumentenbaus.


Ausblick auf die Fortsetzung (Vorschau für die Website)
Archiv-Update: Neue Entdeckungen zu Johann Konrad Knöpfel in Marburg

Die historische Forschung steht niemals still. Um die Verflechtungen zwischen den Familien Dülcken, Knöpfel und der rheinischen Verwaltung noch detaillierter zu rekonstruieren, haben wir eine umfassende Quellenrecherche im
Hessischen Staatsarchiv Marburg (HStAM) initiiert. Mit Erfolg: Es wurden zwei bedeutende Schlüsseldokumente aus den Jahren 1701–1702 lokalisiert, die Licht auf die exakten Amtspflichten und das Netzwerk von Johann Konrad Knöpfel werfen:

  • HStAM, Bestand 40 a, Rubr. 04, Nr. 5143: Die offizielle „Instruktion für den Stiftskellner Johann Konrad Knöpfel zu St. Goar“ (1701–1702). Dieses Dokument wird uns genaue Einblicke in seine tägliche Verwaltung der Stiftsgüter und Kirchenfinanzen geben.

  • HStAM, Bestand 40 a, Rubr. 04, Nr. 5144: Die Bestallungsurkunde zur „Bestellung des Proviantmeisters Johann Konrad Knöpfel zum Tranksteuererheber in der Niedergrafschaft Katzenelnbogen“ (1702). Ein Beweis für seine enorme wirtschaftliche und logistische Macht, da er inmitten des Spanischen Erbfolgekrieges auch für das Eintreiben der wertvollen Getränkesteuer verantwortlich war.

Wir haben die Reproduktionen dieser Akten bereits beantragt. Sobald die Dokumente in unserer Forschungsstelle eingetroffen und ausgewertet sind, werden wir diesen Artikel um faszinierende neue Details über den Alltag, die Finanzen und die strategischen Allianzen der Familie erweitern.


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Die Netzwerke des Proviantmeisters: Elite und Verwaltung im Umfeld von Johann Conrad Knöpfel auf Rheinfels
Wenn ein historischer Beamter wie der Proviantmeister und Stiftskeller Johann Conrad Knöpfel seine Kinder taufen ließ, waren die gewählten Taufpaten (Gevattern) keineswegs zufällige Nachbarn. Die Paten spiegelten vielmehr den sozialen Aufstieg, den amtlichen Status und das politisch-militärische Netzwerk der Familie wider.
Aus den Aufzeichnungen der Kirchenbücher geht ein eindrucksvolles Netzwerk hervor, das aus hohen Hofbeamten aus Kassel, militärischen Befehlshabern der Reichsfestung Rheinfels und angesehenen Geistlichen bestand.

1


1.
Heirat von Conrad Knöpfel und Regina Magdalena Dirx am 29. April 1695 (KB 149/1, S. 255);
  2.
Taufe von Dietrich Conrad Knöpffel am 9. Februar 1696 (KB 149/1, S. 105);
  3.
Taufe von Maria Sophia Christiana Knöpfel am 9. November 1697 (KB 149/1, S. 116);
  4.
Taufe von Anna Margaretha Elisabeth Knöpffel am 24. September 1699 (KB 149/1, S. 125);
  5.
Taufe der am 18. April 1701 geborenen Anna Getrud Henriette Knöpfel (KB 149/1, S. 130);
  6.
Taufe von Johann Christian Ludwig Knöpffel am 21. Juni 1703 (KB 149/1, S. 137);
  7.
Taufe von Johann Henrich Werner Knöpffel am 23. Dezember 1704 (KB 149/1, S. 142);

• 23. Dezember (10. Br. / Decembris): In der Kirche getauft: Johann Henrich, Sohn des Herrn Johann Conrad Knöpffel, Proviantmeister und Stiftskeller.
• Paten (Gevattern):
1. Herr Johann Henrich Gottschalck, Zahlmeister und Hauptmann.
2. Herr Werner Knöpfel, Pfarrer in Liebenau.
3. Frau Johanna, Ehefrau des Kommissars Reichardt Rosewater.
Werner Knöpfel wurde um 1668 in Wolfershausen als Sohn des Melsunger Metropoliten (Superintendenten) Konrad Knöpfel und dessen erster Ehefrau geboren. Ab 1686 studierte er Theologie an der Universität Marburg und war später als Pfarrer in Liebenau tätig.
Er stammt aus einer Familie mit mehreren Geschwistern:
• Hartmann Knöpfel: Geboren 1660 in Wolfershausen, 1679 an der Universität Marburg immatrikuliert und ab 1692 Pfarrer in Dörnhagen.
• Johann Konrad Knöpfel: Geboren 1662 in Wolfershausen, 1680 in Marburg immatrikuliert und als Proviantkommissar in der hessischen Festung Rheinfels bei St. Goar tätig.
• Ottilie Knöpfel: Geboren 1664 in Wolfershausen und am 3. Mai 1682 in Melsungen mit Andreas Itter, Vogt in Merxhausen, verheiratet.
• Susanne Christine Knöpfel: Geboren 1672, nacheinander mit dem Pfarrer Andreas Kornemann und dem Pfarrer Hermann Geißell verheiratet.
• Katharina Elisabeth Knöpfel: Geboren 1673 und am 4. März 1700 in Melsungen mit dem Theologiestudenten Johann Heinrich Möller verheiratet.
• Anna Dorothea Knöpfel: Geboren 1674 in Wolfershausen.

  8.

Taufe der am 16. Mai 1709 geborenen Anna Christina Dorothea Knöpfel (KB 149/1, S. 158);
  9.
Taufe der am 28. Februar 1711 geborenen Maria Elisabeth Knöpffel (KB 149/1, S. 162);
  10.
Taufe von Johann Ludwig Knöpffel am 29. Dezember 1712 (KB 149/1, S. 168);
  11.
Taufe des am 22. November 1714 geborenen Johann Wollrath Knöpfel (KB 149/1, S. 177).

1. Die diplomatische und administrative Elite (Kassel & Melsungen)

  • Christian Thalmann – Geheimbder Secretarius zu Cassel
    Als Geheimer Sekretär stand Thalmann in direkter Nähe des Landgrafen von Hessen-Kassel. In einer Zeit, in der der Geheime Rat das zentrale Beratungs- und Regierungsorgan des Fürstentums bildete, bearbeitete er die vertraulichste diplomatische Korrespondenz und Staatsgeschäfte.

  • Johann Balthasar Claute (vertreten durch seine Ehefrau Anna) – Geheimbder Secretarius zu Cassel
    Ebenso wie Thalmann bekleidete Claute diese hohe administrative Vertrauensposition am Hof zu Kassel. Dass gleich mehrere Geheime Sekretäre aus der Residenzstadt als Taufpaten auftraten, unterstreicht die engen Verbindungen zwischen der lokalen Proviantverwaltung und dem zentralen Hof.

  • Wollrath Reinhard – Hessisch-Reservat Commissarius
    Als Kommissar für die verwalterische Betreuung der hessischen Reservate vertrat Reinhard die finanziellen und landesherrlichen Rechte des Landgrafen. Er beaufsichtigte die Einnahmen, Pachten und Vorräte in der Region.

  • Konrad Knöpfel – Metropolitan zu Melsungen
    Als Vater des Proviantmeisters und Superintendent (
    Metropolitan) über die Kirchen und Schulen des Bezirks Melsungen bildete er die kirchlich-administrative Verankerung der Familie im Fürstentum.

2. Die militärische Führung der Festung Rheinfels
  • Joh. Martin – ObristLieutenant
    Als Oberstlieutenant war Johann Martin der zweite Mann in der militärischen Hierarchie der Festung Rheinfels. Er führte das tägliche operative Kommando über die Garnison und die Verteidigungswerke dieser Schlüsselposition am Rhein.

  • Johann Henrich Gottschalck – ZahlMeister und Capitain
    Gottschalck verband den Rang eines Hauptmanns (
    Capitain) mit der Funktion des Zahlmeisters der Garnison. Er war für die Soldzahlungen und die militärische Buchhaltung verantwortlich, was direkte berufliche Berührungspunkte mit der Proviantverwaltung von Knöpfel ergab.

  • Balthasar Schwalb (vertreten durch seine Ehefrau Margaretha) – Schreiber und Auditeur
    Als Auditeur fungierte Schwalb als Militärrichter und Rechtsberater der Festung. Er leitete Kriegsgerichte, untersuchte Disziplinarfälle und war für die juristische Schriftführung (
    Schreiber) zuständig.

  • Joh. Hartmann Cuhn – Lieutenant
    Einer der Garnisonsoffiziere, der die militärische Präsenz und Kameradschaft innerhalb der Festung widerspiegelt.

3. Die lokale bürgerliche und geistliche Elite
  • Dietterich Diepes (Diep) – Rathgänger / Rathsverwandter
    Als Schwiegervater von Johann Conrad Knöpfel vertrat er die städtische Obrigkeit. Als Ratsverwandter nahm er am Ratskollegium und der kommunalen Rechtsprechung teil.

  • Werner Knöpfel – Pfarrherr zu Liebenau
    Bruder des Proviantmeisters, ausgebildet an der Universität Marburg, der als Pfarrer den intellektuellen und geistlichen Stand der Familie repräsentierte.

  • Daniel Rüdiger – Pfarrherr und Praeceptor
    Der örtliche Seelsorger, der zugleich als
    Praeceptor (Rektor/Lehrer) für den Lateinunterricht und die Bildung der lokalen Jugend verantwortlich war.

Fazit
Die Bestandsaufnahme dieser Taufzeugen zeigt, dass die Familie des Proviantmeisters und des Stiftskellers im Zentrum der Macht der Region stand. Das Netzwerk verbindet die fürstliche Verwaltung in Kassel, die militärische und juristische Führung der Festung Rheinfels sowie die kirchlich-scholastische Elite Hessens.


Johanna magdalena 1736

Op 22 jan: 1736
Johanna Magdalena, Dogter van Johan Christian Dülcken en Anna Christina Knoepffelin, getuigen waren Johann Ludwig Dirx, Regina Magdalena Knoepffelin ( moeder van Anna Christina) en Johanna Margarta Dülckin ( moeder van Johan Christian)

Am 22. Januar 1736
Johanna Magdalena, Tochter von Johan Christian Dülcken und Anna Christina Knoepffelin; Trauzeugen waren Johann Ludwig Dirx, Regina Magdalena Knoepffelin (Mutter von Anna Christina) und Johanna Margarta Dülckin (Mutter von Johan Christian)

On 22 January 1736
Johanna Magdalena, daughter of Johan Christian Dülcken and Anna Christina Knoepffelin; witnesses were Johann Ludwig Dirx, Regina Magdalena Knoepffelin (mother of Anna Christina) and Johanna Margarta Dülckin (mother of Johan Christian)


Eine protestantische Schlüsselfigur unter katholischen Herren

Die politische und religiöse Situation, in der Johann Konrad agieren musste, war äußerst komplex. St. Goar und die darüber thronende, riesige Burg Rheinfels waren im Grunde protestantisches Gebiet. Doch durch eine Erbschaft innerhalb des Fürstenhauses Hessen fiel die faktische Macht im Jahr 1693 an eine streng katholische Seitenlinie: das Haus Hessen-Wanfried. Zuerst unter Landgraf Karl (1693–1711) und ab 1711 unter dessen frommem Sohn Landgraf Wilhelm II. regierten katholische Fürsten über eine fast vollständig protestantische Bevölkerung.
Obwohl dies auf dem Papier wie ein Rezept für einen Glaubenskrieg wirkte, war die Praxis überraschend pragmatisch. Dank alter Verträge (wie dem
Regensburger Rezeß) waren die Rechte und Besitztümer der Protestanten gesetzlich geschützt. Die katholischen Landgrafen durften ihren Glauben in der Schlosskapelle auf der Burg und in einer neuen Kirche außerhalb der Stadtmauern ausüben, mussten die protestantischen Bürger jedoch in Frieden lassen. Um die Region stabil zu halten und die Steuereinnahmen zu sichern, benötigten die katholischen Landgrafen zuverlässige protestantische Verwalter, die das Vertrauen des Volkes genossen. Johann Konrad Knöpfel was der perfekte Mann am perfekten Ort.



Die Doppelrolle: Kirchliche Finanzen und militärische Logistik

Johann Konrad bekleidete in St. Goar eine entscheidende Doppelrolle. Zum einen war er der Stift-Kellner (Stiftsverwalter) der protestantischen Stiftskirche. In dieser einflussreichen Position verwaltete er die Administration, die ausgedehnten Ländereien und die Steuereinnahmen des protestantischen Stiftskapitels. Dass ein katholischer Landgraf wie Wilhelm II. die Kontrolle über diese wichtige protestantische Geldquelle vollständig Knöpfel überließ, beweist, wie sehr dessen Integrität und geschäftliche Fachkompetenz geschätzt wurden.
Seine zweite Funktion brachte eine noch größere Verantwortung mit sich: Johann Konrad war zugleich der
Proviant-Commissair (Proviantkommissar) der Burg Rheinfels. Rheinfels war zu dieser Zeit eine der mächtigsten und bedeutendsten militärischen Festungen am Rhein, gebaut, um der ständigen Bedrohung durch französische Invasionen standzuhalten. Als Proviantkommissar war Knöpfel für die gewaltige logistische Operation innerhalb der Festung verantwortlich. Er sorgte dafür, dass die militärischen Vorräte – von Getreide, Fleisch und Bier bis hin zu Munition und Schießpulver – stets so aufgefüllt waren, dass sie einer monatelangen Belagerung standhalten konnten. In einer Zeit ständiger Kriegsgefahr war dies eine absolute Vertrauensstellung. Landgraf Wilhelm II. wusste, dass der Erhalt seiner strategischen Festung und burcht buchstäblich von der logistischen Präzision seines protestantischen Kommissars abhing.

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Hessisches Landesarchiv complete files

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Consistorial-Sachen Nr. 148 C.
Original-Instruktion für den Stiftskellner Knöpfel zu St. Goar (1701–1702).

1701–02.
(Archiefstempel/nota: Staatsarchiv Marburg, Best. 40a Rubr. 4 Nr. 5143)

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Wir, von Gottes Gnaden, Karl, Landgraf zu Hessen, Fürst zu Hersfeld, Graf zu Katzenelnbogen, Diez, Ziegenhain, Nidda und Schaumburg, geben hiermit bekannt:
Auf fürstlichen Befehl haben unsere Verordneten des Consistoriums (Kanzler, Vizekanzler und Räte) Johann Conrad Knöpfel beim Stift St. Goar aufgenommen und angestellt. Hiermit übertragen wir ihm kraft dieses Briefes das Amt des Stiftskellners. Er verpflichtet sich, dem durchlauchtigsten Fürsten und Herrn Karl getreu, gehorsam und dienstbar zu sein.


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Er muss Schaden vom Fürsten abwenden, Gefahren melden und alle Einnahmen des Stifts (ob in Geld, Wein, Getreide oder anderen Abgaben) ordnungsgemäß und pünktlich einfordern, registrieren und abrechnen. Er ist verpflichtet, jährlich Rechenschaft über die Stiftsrechnung abzulegen.



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Zudem hat er die Gebäude des Stifts in gutem Zustand zu erhalten, Mängel oder Schäden rechtzeitig zu melden und zu reparieren. Er darf nicht zulassen, dass Rechte oder Einkünfte des Stifts verloren gehen oder missbraucht werden. Dies hat er mit einem leiblichen Eid und einem Reversbrief (Schuldschein) bekräftigt.


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Für seine Dienste erhält er jährlich aus den Einnahmen des Stifts folgende Vergütung:

  • Geld: 5 Reichstaler

  • Getreide: 6 Malter Korn, 3 Malter Gerste, 1 Sommer Erbsen

  • Naturalien: Wein (in gleicher Menge wie der Schulmeister), Brot für den Eigenbedarf, Wachs, Kohlen und Holzdeputat.

Diese Einnahmen hat er wie üblich mit dem Superintendenten und den Inspektoren zu teilen.
Ausgestellt zu Kassel, am 1. Januar 1701, unter dem Siegel des Consistoriums.


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Nachtrag (Reskript vom 31. Juli 1702):
Der Landgraf verordnet, dass Johann Conrad Knöpfel denselben Gehalt erhält wie sein Vorgänger Johann Peter Treiber. Zusätzlich werden ihm laut früheren Reskripten (von 1678 und 1679) weitere Naturalien gewährt: 3 Sechster Malter Korn, 3 Malter Weizen (als Ersatz für den Pfrundenwein) sowie Entschädigungen für Geflügel (Hühner/Gänse) und Rheinschifffahrtsabgaben im Wert von 20 Reichstalern und 3 Albus.


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Dem jetzigen Stiftskellner sind die erwähnten 3 Sechster-Malter Korn und 3 Malter Gerste (als Ersatz für den Pfrundenwein) nebst einem Fuder Korn (oder dessen Bezahlung) sowie die 20 Reichstaler für das Schifffahrtsrecht rückwirkend ab Januar des vergangenen Jahres 1701 einzuräumen, auszuzahlen und anzuerkennen.
Urkundlich dessen wurde dieser Brief unter dem Siegel des fürstlichen Consistoriums ausgefertigt.
Kassel, den 4. Juli 1702.


Stabilität in einer angesehenen Familie

Während Johann Konrad täglich zwischen den Interessen der protestantischen Bürgerschaft unten in der Stadt und dem katholischen Hof oben auf der Burg navigierte, baute er sein eigenes Familienleben auf. Am 29. April 1695 heiratete er in der Stiftskirche Regina Magdalena Dirx (eine Tochter aus einem soliden, lokal-regionalen protestantischen Milieu).
In dieser wohlhabenden, hochgebildeten und angesehenen Familie des Stiftkellners wurde am 11. September 1706 ihre Tochter Susanna Maria Knöpfel getauft. Sie wuchs in einer Welt auf, in der Kultur, religiöse Toleranz, administrative Verantwortung und Musik Hand in Hand gingen. Es war genau diese intellektuelle, protestantische Erziehung im Schatten der Burg Rheinfels, die den Grundstein für ihr späteres Leben und ihre Heirat im Jahr 1733 mit dem begabten Pfarrerssohn und Cembalobauer Johann Daniel Dulcken legte.





Conrad Knöpfel, 1662 in Wolfershausen geboren, schrieb sich 1680 an der Universität Marburg ein und wurde Proviantkommissar in der hessischen Festung Rheinfels bei St. Goar.
Conrad Knöpfel heiratete am 29. April 1695 Regina Magdalena Dirx. Conrad Knöpfel starb vor 1721.

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Den 7. April. sind zum ersten mal proclamirt worden, Herr Jo- han Conrad Knöpfel, Proviant=Meister, Herrn Conrad Knöpfels, Metropolitani zu Milsungen, ehelicher Sohn; und Jgfr. Regina Magdalena, Herrn Dieterich Diepers, Rath= gängers eheleibliche Tochter. Den 29. April. copulati. Den 16. Jun. sind zum ersten mal proclamirt.

Am 7. April wurden zum ersten Mal aufgeboten: Herr Johan Conrad Knöpfel, Proviantmeister, ehelicher Sohn des Herrn Conrad Knöpfel, Metropolitan (Hauptpastor/Superintendent) zu Melsungen; und Jungfer Regina Magdalena, eheliche Tochter des Herrn Dieterich Dieper, Ratsherr. Am 29. April wurden sie getraut.


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Taufeintrag Susanna Maria Knöpfel - transcriptie Dr. Johannes Burkardt
Complete

Den 11 t[en] [Novem]bris wurde Don[n]erstag Nachmittags zwisch[en] 12 u[nd] 1 Uhren
nach gehaltener
Beth=Stunde in öffentl[icher] Versam[m]lung getaufft Susanna Maria,
H[errn] Johann Conrad Knöpffels, Proviant-Com[m]issarii u[nd] Stiffts=
Kellners allhier Töchterlein. Gevattern waren Herr Oswald
Wollff, Nachgänger am hiesigen Hoch=Fürstl[ichen] Gesam[m]t-Rhein=
Zoll, u[nd] Fr[au] Maria Barbara, H[errn] Samuel Kellers, Stadt=
Lieutenants allhier ehel[iche] Hauß-Frau, wie auch H[errn] Pfarrers Geissel
Fr[au] Eheliebste von Wollroda
des H[errn] Vatters Schwester.*
* Die letzten 12 Wörter mit blasserer Tinte später nachgetragen.



Historische Rekonstruktion: Lebensumfeld und gesellschaftliche Transition von Susanna Knöpffel


Einleitung

Die Jugend von Susanna Knöpffel spielte sich innerhalb des administrativen und religiösen Kerns von Sankt Goar ab. Ihr Vater, Johann Conrad Knöpffel, bekleidde zwei einflussreiche Regierungsämter:
Stift-Kellner (Hauptverwalter) des Stifts und Proviant-Commissair auf der Burg Rheinfels. Hierdurch gehörte die Familie zur lokalen herrschenden Elite.



Wohnraum und die Stiftskellerei

Als Hauptverwalter war ihr Vater für die Steuereinnahmen, Pachterträge und Immobilien der Kirche verantwortlich. Die offizielle Dienstwohnung und das Büro (die
Stiftskellerei) befanden sich direkt auf dem Komplex. Historische Karten zeigen, dass die Familie in den direkt an die Kirche grenzenden Gebäuden wohnte, die als Clofter (Kloster) oder Aptey (Abtei) bezeichnet wurden. Dies war kein ruhiges Privatumfeld, sondern ein funktionales Verwaltungszentrum. Es gab einen ständigen Strom von Bauern, Händlern und Beamten, die ihre Naturalsteuern (wie Wein und Getreide) ablieferten.



Logistik und Infrastruktur rund um das Haus

Das tägliche Leben der Familie wurde logistisch durch die umliegende Infrastruktur bestimmt. An der Nordseite bildete die
Obere-Straße die wichtigste Verkehrsader durch die Stadt für Transporte und Reisende. Die Heiligen Gasse an der Westseite begrenzte den Klosterkomplex und bot einen direkten, ruhigeren Weg zum Markt und dem Rathhauss (Rathaus) in der Unterstadt. Die Wacher (der Stadtbach) floss direkt an der Abtei vorbei und diente der Wasserversorgung und Entwässerung des Komplexes.



Religiöse und gesellschaftliche Verpflichtungen

Die
Grose Kirch. (die protestantische Evangelische Stiftskirche) stand im Mittelpunkt des öffentlichen Lebens der Familie. Aufgrund des hohen gesellschaftlichen Status des Vaters hatte die Familie einen festen, angesehenen Platz im Kirchenschiff. Sie nahmen an allen offiziellen protestantischen Gottesdiensten und Zeremonien teil. Der wöchentliche Kirchgang prägte Susannas soziale Kontakte innerhalb des gehobenen Bürgertums von Sankt Goar.



Die Beziehung zur Burg Rheinfels

Obwohl die administrative Basis der Familie in der Unterstadt lag, gab es eine direkte funktionelle Verbindung zur militärischen Führung. Die
Alte Burg und die höher gelegene Festung Rheinfels waren die Orte, an denen ihr Vater die militärischen Vorräte verwaltete. Dies bedeutete, dass die Familie Knöpffel enge Beziehungen sowohl zu den kirchlichen als auch zu den militärischen Behörden der Landgrafschaft Hessen-Kassel unterhielt. In diesem streng organisierten administrativen Netzwerk wuchs Susanna auf.



Rheinfels scherp


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Hessisches Landesarchiv complete files

Uffßner
Nachdem Ihro Hochfürstl[iche] D[urchlaucht] unser gnädigster Fürst und Herr demwege mittels unterm Sub dato Cassel den 20.t[en] Jany 1707 ausgegangenen gnädigsten ertheilten Rescripts dem Proviantmeister Knöpfel auf die durch anderweite Beförderung des bisherigen Brandsteuer-Einnehmers in der Nieder Grafschaft Catzenelnbogen Hermann Winolds erledigte Brandsteuer-Ein- hebung nebst seiner vorigen Bedienung in gnaden con- feriret, derselbe auch auf solche seine Bedienung bey hies[iger] Land-Cammerey be- sugt Pflicht genommen worden; Als ist Uffßnern begehren hiermit an Euch gehörige Verfügung zu
(Marge aan de linkerzijde:) x worauf er erst vor alles das Cassa-Geld gehörige Caution einlegen soll &c. will

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thun, daß derselbe als Brandsteuer Einnehmer im Cammertheil in besagter Nieder Grafschaft Catzen- elnbogen respectivè auch ihm alle bey des umrigon Brandsteuer Einneh- mer Winolds bisherigem derer Brandsteuer-Haltern be- eingelassene verrestiren- den gegen dessen Scheyn und Quittung abführen müssen, Wie Ihr dann auch denselben bey solcher sei- ner Bedienung auf den erfordernden Fall besördr[ig] zu assistiren, und das Herrschaftliche Interesse sowohl darby als übrigens nicht verfehlen werdet.
Dat[um] Cassell d. 2t[en] Febr[uarii] 1707
D. HAML...
(Handtekening) G. Otto Cuno (Handtekening)
(Marge aan de linkerzijde:) x Von dem so bißherigen Einnehmer Weil die Cassa-Taxation worauf Ihm allen die Einnahme gehabt die selbigen gehörig Einnahm-Rechnung abgelegt pro 1707
von dem Rath Debell Zu Drots Güter

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Uffßner, nachdem Seine Hochfürstliche Durchlaucht, unser gnädigster Fürst und Herr, mittels eines unter dem Datum Kassel, den 20. Januar 1707, ergangenen Reskripts die Einhebung der Brandsteuer in der Niedergrafschaft Katzenelnbogen – die durch die Beförderung des bisherigen Einnehmers Hermann Winold frei geworden war – nebst seiner bisherigen Funktion dem Proviantmeister Knöpfel übertragen hat und dieser auf diese seine Funktion bei der hiesigen Landkammer den gehörigen Eid abgelegt hat;
So wird Uffßner hiermit aufgefordert, die erforderliche Anordnung zu treffen, dass man demselben als Brandsteuereinnehmer in der besagten Niedergrafschaft Katzenelnbogen alle unter dem bisherigen Einnehmer Winold verbliebenen Rückstände der Brandsteuer gegen seine Bescheinigung und Quittung abführt. Ebenso sollen Sie ihm bei der Ausübung seiner Funktion im Bedarfsfall unterstützend zur Seite stehen und das herrschaftliche Interesse sowohl dabei als auch sonst nicht versäumen.
Gegeben zu Kassel, den 2. Februar 1707.
(Marginalien): x Worauf er erst für das gesamte Kassengeld eine gehörige Kaution zu hinterlegen hat usw. x Vom bisherigen Einnehmer, da die Kassentaxierung, worauf ihm alle Einnahmen zustehen, die entsprechende Einnahmenrechnung für 1707 abgelegt hat. Von Rat Debell zu Drots Gütern.

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Auf den Spuren des Proviantmeisters: Wie ein Archivdokument von 1707 die Welt der Dülckens enthüllt
Ein vergilbtes Blatt Papier aus den Archiven von Hessen-Kassel, datiert auf den 2. Februar 1707, wirkt auf den ersten Blick wie eine trockene Amtshandlung. Doch wer zwischen den Zierlinien der Kurrentschrift liest, entdeckt eine Schlüsselquelle für das historische Netz rund um die berühmte Cembalobauer-Familie Dülcken.
Das Reskript aus Kassel hält eine wichtige Entscheidung des Landgrafen fest:
Johann Conrad Knöpfel, Proviantmeister auf der mächtigen Festung Burg Rheinfels bei Sankt Goar, erhält ein bedeutendes Zusatzamt. Er wird zum neuen Brandsteuer-Einnehmer für die gesamte Niedergrafschaft Katzenelnbogen ernannt. Vor Antritt muss er bei der Landkammer eine Kaution für das Kassengeld hinterlegen und den Pflichteid ablegen – ein Beleg für das große Vertrauen des Landgrafen in seine finanzielle Zuverlässigkeit.
Ein regionales Netzwerk über den Rhein Die Reichweite dieses Amtes ist bemerkenswert. Die Niedergrafschaft Katzenelnbogen erstreckte sich über beide Rheinseiten. Das bedeutete, dass Johann Conrad Knöpfel von Sankt Goar aus nicht nur die linke Rheinseite betreute, sondern auch in den Rechtsrheiner Ortschaften die Steuern einzog – darunter das nahegelegene Weisel.
In Weisel prägte damals Pfarrer Schramm das Gemeindeleben. Als übergeordneter Steuereinnehmer stand Knöpfel in engem Kontakt mit den örtlichen Amtsträgern und Pfarrern. Es ist nahezu gewiss, dass sich Knöpfel und Pfarrer Schramm persönlich kannten und austauschten.
Schicksalsschlag und dynastische Nachfolge In Weisel kreuzten sich die Wege der Familien bereits zuvor auf intime Weise. Vater Georg Ludwig Dülcken schloss dort seine Ehe. Nur eine Woche später traf die Familie ein schwerer Schicksalsschlag: Der neugeborene Sohn Johann Daniel verstarb. Nach damaliger Tradition wurde der Name weitergegeben: Der danach geborene Sohn erhielt wiederum den Namen Johann Daniel Dülcken.
Dieser zweite Johann Daniel sollte später zu einem der bedeutendsten Cembalobauer des 18. Jahrhunderts aufsteigen. Der Kreis des Netzwerks zwischen Rheinfels, Sankt Goar und Weisel schloss sich endgültig, als der junge Instrumentenbauer
Susanne Maria Knöpfel heiratete – die Tochter von niemand anderem als dem Proviantmeister und Steuereinnehmer Johann Conrad Knöpfel.
Das Dokument von 1707 ist somit weit mehr als eine bürokratische Notiz. Es ist der handfeste Beweis für das gesellschaftliche und finanzielle Fundament, auf dem das Beziehungsnetz der Familie Dülcken an den Ufern des Rheins ruhte.



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Ergänzender Exkurs: Wer war Uffßner?
Um die administrative Tragweite des Dokuments vom 2. Februar 1707 vollständig zu verstehen, lohnt ein Blick auf den Adressaten:
Uffßner.
Uffßner war der landgräfliche
Amtmann (oder Rentmeister) des örtlichen Verwaltungsbezirks (Cammertheil) in der Niedergrafschaft Katzenelnbogen. In der Befehlskette der Landgrafschaft Hessen-Kassel nahm der Amtmann die Schlüsselrolle an der Basis ein. Das Dekret aus Kassel richtet sich gezielt an ihn, um die Beschlüsse des Hofes vor Ort durchzusetzen:

  • Schnittstelle der Übergabe: Uffßner hatte die Aufgabe, den Übergang zwischen dem bisherigen Einnehmer Hermann Winold und dem neu ernannten Proviantmeister Johann Conrad Knöpfel praktisch abzuwickeln.

  • Finanzielle Aufsicht: Er musste sicherstellen, dass alle noch ausstehenden Brandsteuer-Rückstände geordnet an Knöpfel abgeführt wurden. Zudem oblag ihm die Kontrolle, dass Knöpfel die geforderte Kaution (Caution) bei der Landkammer hinterlegte, bevor ihm die Kasse anvertraut wurde.

Uffßner war somit der administrative Vollstrecker vor Ort, der das reibungslose Funktionieren des fiskalischen Netzwerks zwischen der Zentrale in Kassel, der Festung Rheinfels und den Rheinortschaften wie Weisel sicherstellte.